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IRMA Milch Hoffelner OEG

IRMA Milch Hoffelner OEG
Fentsch 9
8733 St. Marein

Als Kooperation stark in die Zukunft!

Unter diesem Motto nahm der Kooperationsbetrieb “IRMA Milch Hoffelner OEG” in Knittelfeld vor zwei Jahren seinen Betrieb auf. Nach zwei abgeschlossenen Milchwirtschaftsjahren, einem Vollabschluss im LKV und einem abgeschlossenen Jahr im AK-Milchvieh Zeit, kurz Rückschau zu halten, die ersten Erfahrungen auszuwerten und zu überprüfen, inwieweit die Ziele aus der Startphase erreicht wurden.

Die beiden Familien von Irmtraud Hoffelner & Franz Gsöls und Renate und Markus Hoffelner gründeten im Rahmen einer Teilfusion ihrer Betriebe die IRMA-Milch-Hoffelner OEG. Dabei wurde jeweils der Betriebszweig Milchviehhaltung mit den zugehörigen Produktionsfaktoren (Tiere, Quote und Kapital) in die im Firmenbuch eingetragene offene Erwerbsgesellschaft eingebracht. Die notwendigen Flächen werden von der IRMA Milch von den Betreibern bzw. in der Region zugepachtet. Im Rahmen einer Nutzungsvereinbarung mit dem Land Steiermark dient der Stall auch als Ausbildungsbetrieb für die LFS Kobenz Nach einer 9-monatigen Planungsphase beginnend im Herbst 2002 und einer Bauzeit von 8 Monaten wurde am 1. April 2004 der Kooperationsstall bezogen. Gleichzeitig mit dem Einstallen wurde auch mit der Aufstockung des Tierbestandes von anfänglich 52 Kühen begonnen.

Die ersten Schritte mit neuen Schuhen….

… fühlen sich immer etwas ungewohnt an. Und genau so geht´s wahrscheinlich jedem Betrieb beim Um- oder Neueinstallen. Aber die Kinderkrankheiten der Anlage haben sich in Grenzen gehalten und unser Eindruck war, dass sich die Tiere wesentlich schneller an das neue Umfeld anpassen als der Mensch. Es dauerte schon ein paar Wochen, um sich auf die neue Technik einzuarbeiten und ihre Geräusche und Nebengeräusche richtig zu hören und zu interpretieren.

Das größte Fragezeichen stellte sicherlich die Melktechnik dar. Wurde doch mit dem schwimmenden Karussell mit 24 Melkplätzen eine Technologie eingebaut, mit der es in Österreich noch keinerlei Erfahrung gab und die immerhin beinahe 1/3 der Baukosten verursachte. Der Schritt wurde nach reiflicher Überlegung gesetzt, weil die Betreiber darin eine schlagkräftige und störungsfreie Technik sahen, die auch das notwendige Potential für etwaige Erweiterungen mitbringt. Nach einem einmaligen “Trockentraining” für die Kühe begann das Einmelken und bereits nach ca. einer Woche hatten sich die Tiere problemlos auf die neue Situation eingestellt. Einstellungsprobleme gab es in der Anfangsphase mit der Kuherkennung. Beim mehrmaligen Umbau der Antenne wurde aber eine Variante entwickelt, die seit diesem Zeitpunkt sehr zuverlässig arbeitet. Das System arbeitet sehr zuverlässig bei geringen Instandhaltungskosten und großen Serviceintervallen. Die Entwicklung der Milchqualität legt Zeugnis dafür ab, dass sich Tier und Mensch sehr schnell an das neue Umfeld angepasst haben.

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Eingewöhnung in den Stall - Geduld und offene Augen sind gefragt

Ein Vorteil in der Eingewöhnungsphase war sicher, dass der Stall anfänglich nur zur Hälfte belegt war. Bei den Rangkämpfen war immer genug Platz zum Ausweichen. Keines der Tiere der Anfangsphase kam aus einer Aufstallung mit Liegeboxen (2/3 aus Tretmiststallungen, Rest Anbindehaltung). Trotzdem wurden die Liegeboxen recht schnell angenommen. Der Anteil der Außenlieger betrug nach 1 Monat noch ca. 10 %. Mit der entsprechenden Geduld konnten auch diese Tiere noch umerzogen werden. In den Tiefboxen wurden Autoreifen mit einem Lehm/Sandgemisch eingebaut, um die Liegefläche zu stabilisieren und den Strohverbrauch niedrig zu halten. Eine Methode, die als Versuch geplant war und bereits bei der Eröffnung sehr kontroversiell diskutiert wurde. Das System hat sich gut bewährt und wurde beibehalten. Der Strohverbrauch beträgt zur Zeit einen Rundballen pro Woche für ca. 100 Tiere. Sehr gut bewährt hat sich auch der einfache Einbau eines Nackenrohres am Futtertisch. Rangniedrigere Tiere können sehr gut abweichen. Die Möglichkeit die Tiere für Behandlungen fixieren zu können, wurde im Behandlungsbereich neben dem Selektionstor mit selbstkonstruierten Einzelboxen wesentlich billiger und effizienter geschaffen als mit dem Einbau von Fressgittern. Die anfänglich aufgetretenen Druckstellen im Bereich des Widerristes der größeren Kühe, konnten durch das Versetzen des Rohres um ca. 10 cm in Richtung Futtertisch minimiert werden.

Ein kostengünstiger Stall verlangt warme Arbeitsbekleidung

Gerade der heurige Winter hat klar die Grenzen des Kaltstalles aufgezeigt. Wer sich nicht schon in der Planung auf Extermbedingungen einstellt (Ausrichtung zur Sonne, richtige Neigung des Pultdaches, Frostfreiheit der Leitungen), wird im Betrieb mit Problemen rechnen müssen. Bei einer Frühtemperatur von ca. -12 Grad beginnt in der IRMA-Milch der Mist auf den asphaltierten Laufflächen ganztägig festzufrieren. An solchen Tagen bleibt der Schrapper in Parkstellung und die Lauffläche wird mit dem Frontlader abgeschoben. Wichtig ist es, dass die Lauffläche soweit gereinigt wird, dass die Tiere in Bewegung bleiben und nicht durch Abliegen die Futteraufnahme verringern. Auch der abgeschobene Mist wird direkt in die Güllelagune abgekippt, der Querkanal wird so vor dem Fest- und Zufrieren bewahrt. Einen neuralgischen Punkt stellt natürlich die Wasserversorgung dar. Durch richtige Leitungsverlegung, eine Zirkulationsleitung und die Tränkwasservorwärmung kann das Zufrieren der Becken verhindert werden. Nur an besonders kalten Tagen bildet sich an den Becken der Stirnseiten (Bereiche mit weniger Trinkfrequenz) eine Eisschicht. Die Wasseraufnahme ist aber durch die Ausweichmöglichkeit für die Tiere immer gewährleistet.
Auch die Kälberaufzucht ist unter diesen Bedingungen möglich. Die Kälberiglus sind im Abkalbebereich zugfrei unter Dach aufgestellt. Besonderes wichtig ist die genaue Kontrolle der Geburten und schnelles Trocknen und Versorgen der neugeborenen Kälber, um Verluste hintanzuhalten.

Auch die Zahlen zeigen in die richtige Richtung

Nach dem ersten Jahr im AK Milchvieh (der Beobachtungszeitraum begann bereits ein halbes Jahr nach dem Einstallen) - liegen Auswertungsergebnisse vor, die grundsätzlich sehr positiv stimmen. 6.605 kg verkaufte Milch je Kuh und eine direktkostenfreie Leistung von € 1.411 je Kuh, ein Ergebnis knapp am Durchschnitt des regionalen Arbeitskreises, deuten auf ein gutes Entwicklungspotential der jungen Herde nach der Durchstartphase hin. Auch der erste Abschluss im LKV lässt eine gute Entwicklung in den nächsten Jahren erwarten. Eines der Hauptziele der beteiligten Familien, nämlich langfristig in der Milchviehhaltung wirtschaftlich erfolgreich zu sein, wird durch den eingeschlagenen Weg realisierbar sein.

Arbeitsentlastung - die größte Stärke einer Kooperation

Ein wichtiges Ziel war den beiden Partnerfamilien von Anbeginn an eine Entlastung im Bereich des Arbeitsanfalles. Zwar ist die Gesamtsumme der Arbeitsstunden in der Milchviehhaltung durch die Verdoppelung der Herdengröße gestiegen, der Arbeitskraftbedarf je Kuh und Jahr konnte aber merklich abgesenkt werden. Auch die jährlichen Arbeitsspitzen (z.B. Erntezeiten) verlieren durch die Tatsache, dass bis zu vier Vollarbeitskräfte zur Verfügung stehen, ihre Schärfe. Die dadurch entstehenden Belastungen können minimiert werden. Und durch die Möglichkeit der wechselseitigen Vertretung wird ein weiteres Hauptziel erreicht - die 365-tägige Anwesenheitspflicht im Stall gehört für die beiden Familien der Vergangenheit an. Eine Krankheit kann in Ruhe auskuriert werden, den Abschiedszeitpunkt bei der Familienfeier bestimmt nicht mehr die wartende Viehherde und auch die ersten Familienurlaube konnten bereits genossen werden.

Unterrichtsqualität auf höchstem Niveau

Für die Fachschule Kobenz ermöglichten die neuen Rahmenbedingungen einen Quantensprung im praktischen Unterricht in der Nutztierhaltung und im Pflanzenbau. Ob in der Herdenbetreuung, der Melktechnik, dem Herdenmanagement, dem Geburtshilfemodul oder bei den Ackerbautagen - die Betriebs- und Herdengröße erlauben eine Intensität die ihresgleichen sucht. Dass die Herde immer wieder als Grundlage für Praxisseminare und Forschungsarbeiten dient, ergibt einen nicht zu unterschätzenden Zusatznutzen für die Ausbildung.

Bei allen Unsicherheiten, die ein Kooperationsprojekt in der Startphase mit sich bringt, sind sich alle Beteiligten heute einig: “Es war richtig, diesen Schritt zu wagen und gemeinsam den Weg in Zukunft zu beschreiten. Denn dadurch wird das Ziel, langfristig in der Milchviehhaltung erfolgreich zu sein, leichter realisierbar.”

Betriebsspiegel

IRMA Milch Hoffelner OEG, Fentsch 9, 8733 St. Marein
56 ha LN (36 ha Acker, 20 ha Grünland)
Quote (A+D): 650.000 kg
LKV-Daten 2005:
90,3 Kühe, 7.382 kg 4,12 % Fett, 3,55 % Eiweiß, 567 kg F+E
Herde aktuell: 95 Kühe (62 BV, 17 FV, 16 HF)
Durchschnittsalter der Kühe 4,6 Jahre
Zwischenkalbezeit 380 Tage
Besamungsindex 1,5
Abkalbequote 89,9 %

Bauliche Eckdaten

Außenklimastall mit 110 Liegeplätzen dreireihig angeordnet, Laufflächen planbefestigt mit Asphaltbelag, Entmistung mit Faltschieber, Güllelagune ca. 3000 m³ Melkhaus mit schwimmendem 24-er Melkkarussell und angebautem Bereich für Abkalbung, Kälber und Tierbetreuung.
Baukosten insgesamt: 502.000,- € netto, Finanzierung über Eigenkapital und AIK

icon_video » Video: 1. Schwimmendes Melkkarussell in Österreich